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Diese Geschichte könnte im Jahr 2015 ungefähr so stattgefunden haben. Die Namen der Protagonisten sind frei erfunden.

Kapitel 1

Es ist kurz nach Acht Uhr morgens, als ich Hakim auf der Terrasse der Bäckerei treffe. Es ist frisch, gar ein wenig kalt. Hakim trägt einen modern geschnittenen schwarzen Mantel, seine Haare sind schön gegelt und sein scharfes Rasierwasser rundet das Bild eines südländischen Draufgängers perfekt ab. Auf dem Tisch liegt eine Packung Zigaretten, vermutlich nicht die letzte an diesem Tag. Ich setze mich zu ihm und bald darauf bekommen wir Kaffee serviert, eine Lebensnotwendigkeit, wenn ich uns beide anschaue. Ich hab noch kein Wort gesagt, da beginnt Hakim:

„Don’t worry. Everything will be okay.“

Am Vorabend saßen wir alle noch lustig zusammen. Jussuf, Hakim und ich. Die beiden arbeiten im „Türkischen Traum“, eine Mischung zwischen Pizzeria, Café und Shisha-Bar und gleichzeitig der Ort, wo ich am häufigsten meine Mittagspausen verbringe. Mittlerweile sind wir sowas wie eine Familie: ich helfe, wenn es Probleme gibt mit dem Handy oder beim Übersetzen von Behördenbriefen. Und als Gegenzug, gibt es kostenloses Esse, Shisha und feinstes Gras aus Aleppo. Wie auch immer, Jussuf, der ältere der beiden stammt aus dem Irak. Seine Familie dürfte ziemlich reich gewesen sein. Einmal wurde Jussuf gekidnappt und erst nach 30 Tagen gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. Solche Erpressungen passierten seiner Familie immer häufiger. Irgendwann hatten Jussufs Eltern keine Lust mehr zu bezahlen. So kam es, dass sie eines Tages in ihr Auto stiegen und BUMMM. Die Explosion der Autobombe soll so groß gewesen sein, dass man bis heute nicht die Überreste seiner Eltern gefunden hat. Jussuf und seine Geschwister flohen danach nach Europa. Ein Teil seiner Familie ist noch im Irak, und um diese Teil handelt diese Geschichte. Denn seit über zwei Wochen ruft Jussufs Schwester jetzt jeden Abend verzweifelt an, er solle doch endlich seinen Cousin Ali nach Österreich bringen. Auch an diesem Abend war das nicht anders. Nach langem Trinken und kurzen Überlegen, beschlossen wir Ali zu helfen. Wo er sich genau befindet und wann wir ihn treffen würden, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber da es bei mir zuhause gerade nicht rosig zuging, wollte ich einfach nur raus und hatte Lust auf diesen Roadtrip!

Dann kreuzt Jussuf mit dem Auto auf, ist er nicht alleine, ein Kollege aus Kroatien wird auch mit einem Auto fahren. Das ist besser so, erklärt Jussuf mir später: „If there is a police, he make a call and we be going back so police don’t catch us.“ Und kurz darauf: „But don’t worry never it happened bevor. Believe me.“ Ich bin nicht besorgt. Vielleicht macht sich meine Freundin endlich mal Sorgen, wenn mir was passiert und vielleicht würde dann endlich wieder alles gut.

Der Kaffee schmeckt grausig, ich esse nur den Schaum und lass‘ ihn stehen. Wir fahren los. Ich sitze also einigermaßen gespannt aber unbesorgt in einem alten VW Touran, aus den Lautsprechern erklingt fröhliche arabische Musik, das Youtube-Video zeigt eine hübsche Sängerin in einem roten Kleid, wobei das Handydisplay so sehr wackelt. dass ich mich auch täuschen könnte. Wir bewegen uns recht schnell, meist um die 200, in Ortsgebieten gerne mal 100, nie aber zweistellig, dazu hat Jussuf keinen Bock und auch keine Zeit. Wir öffnen das erste Bier, Hakim hat noch vor der Abfahrt eine Palette Gösser aus dem „Türkischen Traum“ geschmuggelt und innerhalb kürzester Zeit überkommt mich ein Gefühl, das sich am besten mit Unsterblichkeit beschreiben lässt. Diese Leichtigkeit mit der wir dahin gleiten, niemand kann uns aufhalten, die Musik überdröhnt alles um uns herum und auch meine innere Stimme, letzte Zweifel und mein Gewissen sind nicht mehr zu hören.

Pausen machen wir nicht viele, doch jedes Mal, wenn wir bei einer Tankstelle stehen bleiben, kaufen wir ein, als gäbe es kein Morgen mehr. Whiskey, Champagner, Bier und Essen ohne Ende. Wieder im Auto, übernehme ich das Lenkrad und folge dem Kroaten über diverse Schleichwege, Feldwege und einsame Dörfer. Es ist alles andere als einfach ihm zu folgen, er fährt ziemlich genau so verrückt, wie Jussuf und überholt an den gefährlichsten Stellen, manchmal auch mitten im Ortsgebiet. Wir drohen ihn zu verlieren, also steig ich aufs Gas und überhole drei Autos vor mir. Ein Traktor auf der Gegenfahrbahn kommt uns entgegen, wir sind erst bei Auto Nummer zwei, ich reiß das Lenkrad nach rechts und BUMM! Wir sind wieder auf der Spur und unser Seitenspiegel, der ist irgendwo im Nirvana. Ich blicke zur Seite, Jussuf schüttelt die Asche von seiner Zigarette und tut so als wär nichts. In diesem Moment wirkt er wie Bud Spencer, hat aber gleichzeitig das schelmische Grinsen von einem Danny Devito. Ich werd‘ nicht mehr und muss einfach lachen. Bald lacht auch er, wir öffnen noch ein Bier und drehen die Musik noch lauter.

Kapitel 2

Wir sind mittlerweile in Slowenien, Jussuf ist wieder am Steuer und wir haben auch unsere Vorhut wieder eingeholt. Auch sie haben ihren Spaß und winken uns mit Bier und Joint aus dem Fenster. Es qualmt richtig aus deren Auto – zumindest denk ich das, bis Jussuf abrupt stehen bleibt, die Motorhaube aufreist und jetzt ist alles nur noch Rauch! Wasser haben wir nicht, also leert er 2 Dosen Bier in den Kühler. „Car like the beer.“, kommentiert er diese Dummheit mit einem fetten Grinser. Ich kann jetzt auch einen Drink vertragen und schnapp mir die bereits halbleere Whiskeyflasche von Hakim, der zum Glück stehen geblieben ist und die Situation einfach nur zum totlachen findet. Nach einer kurzen „Rauchpause“ geht es aber auch schon weiter, wie weit, weiß ich immer noch nicht, Grenzen überqueren wir ja offiziell keine, aber so langsam müssten wir in Kroatien sein. Das Wetter ist herrlich, für Oktober fast zu warm und ich genieße die Sonne, sitze nur mit Boxershorts und Unterhemd im Auto – eigentlich fast wie im Urlaub! Überhaupt läuft die Fahrt, bis jetzt, abgesehen vom Zustand des Autos recht flott und ohne Probleme. Ich rechne fest damit, dass wir Jussufs Cousin heute noch nach Österreich bringen.

Die Stimmung ist gut, Jussuf freut sich schon auf Fisch aus Kroatien, denn er ist der Meinung viel Fisch, steigert die Potenz oder wie er es ausdrückt: „If you eat the fish and then make the sex you wife becoming pregnant, believe me.“ Hakim sieht währenddessen selbst aus wie ein Fisch, seine Augen sind vom vielen Kiffen so riesig und obwohl er ziemlich fertig aussieht, strahlt er eine innerliche Freiheit und Zufriedenheit aus. Es ist jetzt ungefähr 3 Uhr Nachmittags und obwohl wir so viel getrunken haben, haben wir einen Mordshunger, als könnten wir zusammen ein Pferd verspeisen. Und genau so wird auch bestellt, als wir endlich bei einem kroatischen Restaurant stehen bleiben: Jussuf bestellt 3 Mal den Fisch vom Grill, Hakim möchte zwei ganze Backhendl und der Kroate überredet mich einen riesigen Suppentopf mit einer Art Gulasch mit ihm zu teilen. Es ist eine Fressorgie sondergleichen und mir platzt schon der Magen, da bestellt Jussuf auch noch eine Riesenportion Tiramisu. Er hat an diesem Tag die Spendierhose an und bezahlt für uns alle. 

Wir sind noch keine fünf Minuten im Auto, da fällt Jussuf ein, dass er sein Handy im Lokal hat liegen lassen. Und mit dem Handy auch den einzigen Kontakt zu seinem Cousin Ali. Es bleibt keine Zeit mehr das Auto vor uns zu informieren, wir drehen um. Glücklicherweise liegt das Handy noch da, aber jetzt haben wir ein ganz anderes Problem: Das Auto vor uns ist verschwunden, wir haben keinen Plan welchen Weg sie genommen haben und zusätzlich gibt es hier kein Handynetz. Wir fahren einfach die Straße weiter, in der Hoffnung wieder unseren Kroatischen Freund zu finden. Doch es kommt anders und vor uns ist plötzlich das, was so ziemlich jeder erwartet, der nicht über Schleichwege in ein fremdes Land fährt: die Grenzpolizei!

Kapitel 3

Kapitel 1

Die interessantesten Geschichten, entstehen auf jenen Reisen, an denen ich nichts plane. So plane ich auch diese Reise nicht zu planen. Alles was ich brauche, ist ein günstiger Flug und mein Zelt, denn wie ihr wisst, ist Schottland noch eines der wenigen Länder, wo man problemlos überall zelten kann.

Mein Budget ist wie so oft limitiert, dennoch will ich auf die Freiheit eines Autos nicht verzichten. Ich miete mir also das günstigste Auto das ich finden kann, was mich umgerechnet etwa €11 pro Tag kostet, und fahre einfach drauf los. Mein Ausgangspunkt ist die östlich gelegene Stadt Aberdeen, die ich jedoch erst bei meiner Rückreise zu Gesicht bekommen werde. Einerseits, weil ich auf der Suche nach der rauen Natur der Schottischen Highlands bin, aber auch ganz ehrlich, weil mein Auto kein Navigationsgerät hat und ich erst nach zwei Stunden merke, dass ich keinen Plan habe, wo ich bin. Mein Smartphone habe ich dummerweise vor ein paar Tagen bei einer Bootstour versenkt, ich bin also auf fremde Hilfe angewiesen.

Ich halte an einem allein stehenden Haus, aus dessen Garten ein Lama hervorlugt. Ja, kein Schaf, sondern ein verdammtes Lama. Eine Dame, die mich offenbar bereits bemerkte hat, deutet mir durchs Fenster ich solle auf die andere Seite des Hauses kommen. Es folgt ein skeptischer Blick durch das verrostete Metalltor, doch dann wird mir geöffnet. So ganz weiß ich ja nicht, was ich fragen will, also frage ich einfach in welcher Richtung das Meer liegt. Sie blickt mich verwundert an und zeigt mir dann eine alte Straßenkarte von Schottland. Wir waren nicht weit von der Küste entfernt, vielleicht daher der irritierte Blick. Ich bedanke mich und bevor ich gehe frage ich noch nach dem Lama – ein wenig seltsam ist das ja schon, so ein Lama in Schottland. Nicht weniger seltsam war jedoch die Erklärung meiner schottischen Richtungsweiserin:  „Das flauschige Tier dient einerseits als Rasenmäher, aber auch als Schutz vor dem Fuchs. Seit ich das Lama im Garten hab, werden die Hühner in Ruhe gelassen.“ Verrückt, dachte ich. Und auch irgendwie schlau. Beim Verabschieden drückt mir die Frau die Straßenkarte in die Hand, sie selbst brauche sie nicht mehr. Ich blicke noch einmal in den Garten hinüber zum Lama und stellte mir kurz vor, wie es sein müsste hier zu leben. Also als Mensch, nicht als Lama.

Mit den letzten Sonnenstrahlen erreiche ich die Küste und bin zugleich überrascht: In Schottland gibt es tatsächlich Sandstrände! Ich fahre vorbei an einem Golfplatz, von Menschen ist hier keine Spur. Die hügelige Landschaft ist bedeckt von Sträuchern, die jetzt im Spätsommer gelb blühen. “SCOTTISH WILD SALMON COMPANY” lese ich auf einem Weidezaun, dahinter ein Holzhaus mit grünen Fensterläden, das einzige hier weit und breit. Es scheint verlassen. Ich parke mein Auto, nehme Zelt und Rucksack und marschiere Richtung Strand. Der Weg führt über einige Dünen, die einen idealen Windschutz bieten und ich überlege mir bereits hier mein Lager aufzuschlagen. Doch zuerst will ich ans Meer. Außer mir sehe ich nur eine Hand voll Menschen am Strand. Der Sand leuchtet rötlich in der untergehenden Sonne und das Rauschen der Wellen ist wie Musik in meinen Ohren. Ich gehe etwas weiter und entdecke erneut etwas, womit ich hier gar nicht gerechnet habe. Ein paar Meter vor mir liegt ein Seehund! Er liegt da wie ein grauer Haufen und bewegt sich nicht. Ich gehe langsam auf das Tier zu.

“Stop! Don’t walk too close!”, warnt mich eine Stimme und da die Stimme schottisch klingt, gehorche ich sofort. Paul ist von der Seal Watch und hat ein Fotoobjektiv bei sich, mit dem man selbst einen Kaugummi auf dem Mond erkennen konnte. Seine Frau Emily erklärt mir, dass das hier vorne Salty George ist und dass es besser ist, ihn nicht bei seinem Nickerchen zu stören. „Seehunde sehen zwar süß aus, können jedoch blitzartig angreifen. Dabei streckt sich der Hals um ein vielfaches des Kopfes und SCHNAPP, ist es geschehen. Der Biss endet dann meist im Krankenhaus. Nicht unbedingt wegen der Verletzung, aber Seehunde haben ähnlich wie Hunde Krankheiten, die sich auf den Menschen wie Tollwut übertragen können.“ Am besten sei es einen Sicherheitsabstand von 50 Metern zu halten, meint sie und deutet auf das Schild, das ich gekonnt übersehen habe. „Wenn du die Tiere in Ruhe lässt, passiert dir aber nichts“, versichert mir Paul. „Das hier ist das Blakeney National Nature Reserve, mehr als 2000 Seehunde kommen jedes Jahr hierher um sich zu paaren.“ Erst jetzt merke ich, dass wir umgeben sind von Seehunden. Direkt gegenüber muss wohl so eine Art Sandbank sein, wobei man von dem Sand nicht mehr viel sieht, so dicht gedrängt liegen die Tiere nebeneinander. Vereinzelt schwimmen auch einige im Wasser, wobei man nur den Kopf von diesen, für mich nach wie vor, süßen Tieren sieht. Eine Weile lausche ich noch Paul und erfahre viel über seine Arbeit, über das harte Klima hier und natürlich über Seehunde. Ich fühle mich dabei wie in einem Dokumentarfilm von National Geographics, nur das ich nicht zuhause vor einem Bildschirm sitze, sondern dass hier alles Live miterleben darf. „Ob ich hier mein Zelt aufschlagen darf?“, platzte es plötzlich aus mir heraus. „Absolutely“, meinte Paul. Ich solle nur darauf achten, dass mich in der Nacht nicht die Flut überrascht.

Gesagt, getan. Ich baute mein Zelt weit genug vom Meer entfernt auf und schlief bald darauf ein. Die Nacht war trocken und ich betone das deshalb, weil es die einzige auf dieser Reise bleiben würde. Der Blick am nächsten Morgen war gigantisch. Die aufgehende Sonne, das Meer und einen Strand ganz für mich. Für mich und die vielen Seehunde hier. Bestimmt hätte ich es noch eine ganze Weile hier ausgehalten, doch meine Reise geht weiter.

Kapitel 2

Gut gelaunt fahre ich die Küstenstraße entlang und folge den Schildern des North Coast 500 Trails. Die Luft, ganz frisch und salzig, die reinste Kur für die Atemwege. Im Auto spielt es Folkmusik und ich merke, wie ich langsam immer tiefer in das wilde Schottland eintauche. Aufgeregt male ich mir bereits die hügelige Landschaft der Highlands aus und sehe mich schon, Ruinen entdeckend auf den Spuren von William Wallace. Doch es kommt anders. Denn es passierte, was passieren muss, wenn man Schottland besucht. Es regnete. Es regnete und hörte nicht mehr auf zu regnen. Zu Beginn empfinde ich es noch als Herausforderung, als Teil meines Abenteuers. „Was kann mir schon ein bisschen Regen anhaben?“, denke ich mir und verbringe die folgende Nacht im Regen. Und es war auch nicht weiter schlimm, ich machte es mir ja gemütlich, las mit meiner Stirntaschenlampe und probierte den Scotch, den ich mir im Supermarkt gekauft hatte. Nur als nach zwei Tagen nicht nur mein Zelt, sondern auch mein Schlafsack pitschnass war, hatte ich die Schnauze endgültig voll.

Mit den nassen Sachen sitze ich im Auto und analysiere meine Lage. Ich überlege im Auto zu übernachten, aber der kleine Fiat 500 zeigt sich nicht sehr begeistert über meine Idee. Ich beschließe die Fischerdörfer abzuklappern und nach einer Unterkunft zu suchen. Auf der Karte, die mir die Lama-Lady gegeben hat, suche ich den Ort Crovie. Das ist ein winziges Dorf, direkt an einem steilen Abhang der Küste, das ich bereits aus einem Dia-Vortrag kenne. Der Vortragende beschrieb den Ort als “malerisches Fischerdorf, jenseits des Tourismus, wo man ungestört eine Woche verweilen und ein Buch lesen konnte.” Oder ein Buch schreiben, denke ich mir euphorisch und schätze die Entfernung ab. In Wirklichkeit brauchte ich nichts weiter zu tun, als den North Coast 500 Trail zu folgen und das tat ich dann auch.

Ich muss das Schild nach Crovie wegen des heftigen Regens wohl verpasst haben, denn als ich schließlich anhalte, bin ich in Banff, wo man mir mitteilt ich sei zu weit gefahren. Nach knapp zwanzig Minuten bin ich endlich in Crovie, oder besser gesagt oberhalb von Crovie. Ich parke mein Auto auf einem gekennzeichneten Parkplatz nur wenige Meter vom Abgrund entfernt und genieße den Ausblick auf das Meer. Steile Steinstufen führen hinab in das Fischerdorf, das nur aus zwei Dutzend aneinander gereihter Häuser besteht und direkt an das Meer grenzt. Ich schnappe meinen Rucksack und marschiere hinunter. Am Parkplatz verschwinden zwei Schafe unter einem Weidezaun, als hätte ich sie auf frischer Tat dabei erwischt, als sie am Wegesrand gegrast haben. Der Regen scheint sie überhaupt nicht zu stören. Unten angekommen: Leere. Ich schlendere den Pier entlang und begegne einem Wesen, das aussah, als wäre es dreimal gekaut und vom Meer ausgespuckt worden. Ich schildere ihm meine Situation und frage nach einem Bed and Breakfast, doch seine Antwort hätte ich mir ebenso von den Fischen holen können. Er sprach in einem derart wilden Dialekt, dass ich kaum ein Wort verstand. Sein Bart verdeckte seine Lippen komplett und ich beobachtete seinen Schnauzer, der sich auf und ab bewegte, während er sprach. Die Situation war etwas befremdlich, also nickte ich einfach und marschierte weiter – es hat wenig Sinn mit Fischen zu sprechen, wenn du nicht selbst ein Fisch bist, denke ich mir.

Ich beschließe nun an den Türen der winzigen Häuser zu klopfen, in der Hoffnung dass nicht jeder Einwohner hier Klingonisch spricht. Ich habe Glück: ein kräftiger Kerl mit einer Halbglatze, bestimmt zwei Meter groß, aber mit einer Freundlichen Art wie Pooh der Bär, öffnet mir die Tür. An seinem Akzent, erkenne ich sofort, dass er aus England ist. „You won’t have any luck here young lad, but there’s a Bed and Breakfast over at Gardenstown.“ Seine Pranken zeigen nach Westen, wo in geringer Entfernung ein weiteres Fischerdorf liegt. „But hurry up, once the tide comes the road will be under water!“.

Und so war es dann auch. Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg nach Gardenstown. Als ich ungefähr die Hälfte der Steinmauer, auf der ich entlang ging, hinter mir hatte, schwappten die ersten Wellen über meine Füße. Ich konnte jetzt entweder weitergehen, oder umkehren und die Nacht im Auto verbringen. Also weiter! Links von mir türmte sich eine steile Felswand auf und von rechts peitschten die Wellen immer näher. Und als ob das nicht genug wäre, regnete es jetzt Cats and Dogs, wie es im Englischen so schön heißt. Dieser Ausdruck kommt übrigens aus einer Zeit in der Haustiere noch auf den Dächern der Häuser schliefen. Wenn es also stark regnete, so fielen tatsächlich Hunde und Katzen von den Dächern. Aber das zu wissen, brachte mich in dieser Situation auch kein Stückchen weiter. Der nasse Steinboden und die Felsen, an denen ich mich abstützte, waren glitschig. Ich bewegte mich deshalb sehr vorsichtig und benötigte für die kurze Strecke deutlich länger als erhofft. Stellenweise ging ich auf allen Vieren, um nicht auszurutschen. Als ich schließlich nach Gardenstown gelangte, war es dunkel geworden.

Nachdem ich es wie Moses durch die Sintflut geschafft hatte, klopfe ich am weit und breit einzigen Bed & Breakfast. Ich stehe im Regen und wünsche mir einfach nur ein Bett. Das war doch nicht zu viel verlangt. Nur ein Bett. Die Türe öffnet sich und zwei erschrockene Augen mustern mich von oben bis unten. Dann lange nichts. Schließlich lässt mich die Lady an der Tür doch nicht im Regen stehen und ich betrete das Haus. Ich bin froh endlich im Trockenen zu sein, merke zum ersten Mal wie es sich anhört, wenn man den Regen nicht mehr hört und höre gar nicht was die Frau mir zu sagen hat. „I’m terribly sorry sir, but all my rooms are full.” Ich hatte bereits meine Jacke ausgezogen und es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht. „Full?“, fragte ich, endlich begreifend. „Yes, but hold on. I will make some phone calls and we’ll figure something out.“ Mir war alles Recht, solange ich nicht noch eine Nacht im Regen schlafen musste. Kurze Zeit später bringt man mich zu einem anderen Haus, indem eine alte Dame lebt, die manchmal Besucher aufnimmt. Es ist bereits zehn Uhr abends und ich frage mich, ob die alte Lady nicht schon schläft, als wir an der Türe läuten. Es dauert eine Weile, doch ich bleibe zuversichtlich. Ganz gleich welches Land du betrittst, mit einem Lächeln öffnest du jede Türe. 

Kapitel 3

„Hello, I’m Janette Ramsey. Come on in.“, begrüßt mich ein breites Grinsen, eingepackt in schneeweißen Haaren. Sie führte mich durch ihr Haus. Es war ein Haus, wie jedes andere hier. Die Mauern waren aus Stein, die Fußböden aus alten Holzplanken, alle leicht geneigt, dass wenn einmal Wasser hineindringt, es dann gleich wieder hinaus fließen kann. Was mir außerdem auffiel: es gab hier kein Schloss an der Tür. Später erklärte Janette mir, dass sich hier jeder kennt und es daher keinen Grund gibt, die Türen zu verriegeln. Der Briefträger kommt herein; wenn niemand da ist macht er sich selbst eine Tasse Tee, legt die Briefe auf den Tisch und geht wieder. Mein Zimmer befand sich links vom Eingang. Darin war ein Bett, das zwar größer war als ein Einzelbett, doch für jedes Ehepaar zu klein schien. Daneben ein einfacher Schreibtisch und ein hölzerner Stuhl.

Obwohl ich müde bin, folge ich Janettes Einladung zu einer Tasse Tee. Immerhin hat sie mich bei ihr aufgenommen, ich kann jetzt doch nicht gleich im Bett verschwinden. Oder doch? Die Küche und das Wohnzimmer befinden sich im unteren Stockwerk des Hauses. Die schmalen Treppen, die laut knarren, wenn man auch nur darauf blickte, kündigten mich bereits an. „Would you like to have some suggar with your tea?” fragt die winzige Gestalt mich, die überhaupt noch nicht müde zu sein scheint. „No? I see. Because you are sweet enough! Am I right?“ Ich merke sofort, dass die alte Janette ein lustiges Wesen hat und so fällt es mir so gar nicht schwer mit ihr ins Gespräch zu kommen. Generell hab‘ ich das oft bei älteren Menschen beobachtet. Nicht unbedingt dass sie humorvoll sind, aber dass es mir besonders leicht fällt mit ihnen zu plaudern. Vermutlich, weil sie schon ihr ganzes Leben hinter sich haben und da muss es ja dann die eine oder andere Gemeinsamkeit geben, über die man reden kann. Wie dem auch sei, Janette  fragt mich nach meinem Beruf und da antworte ich, dass ich bin Schriftsteller, was ja irgendwie auch stimmt. Ich erzähle ihr von meinem Vorhaben mit dem Zelt durch Schottland zu reisen und sie hört mir zu, als wäre es das normalste auf der Welt mit dem Zelt durch Schottland zu reisen. Dann erzählt sie mir von sich selbst, was mich freut, denn ich fühle mich wie ein müder Haufen Ziegelsteine. Und Ziegelsteine reden bekanntlich nicht viel.

„When I was your age, I was working on the Virgin Islands. It was the 60s and I was a nurse back then, when a wealthy gentleman from England had asked me to accompany him. He had a deadly disease and did not plan to spend his last days in this bloody rain.“ Ich muss lachen und stellte mir kurz vor, wie das Wetter wohl jetzt auf den Virgin Islands sein musste. Janette erzählt mir von ihrem früheren Leben. Ein paar Häuser, einen Supermarkt und eine Bar, viel mehr gab es dort damals nicht, sagt sie. Und sie sagt es so, als ob es auch nicht mehr gebraucht hätte. Die Palmen, das Meer und die viele Sonne, waren eine willkommene Abwechslung für die junge Krankenschwester. Janette führte ein Leben wie aus einem Bilderbuch, verbrachte jeden Tagen am Strand und verdiente sich so ganz nebenbei ein kleines Vermögen.  Der Englische Gentleman sollte noch ein langes Leben haben, dafür sorgte sie, so gut sie konnte. Erst nach 8 Jahren verstarb ihr wohlhabender Patient, der mittlerweile auch so etwas wie ein Freund geworden war und es fiel ihr nicht leicht Abschied zu nehmen. Was sollte sie tun? Sie war jetzt ganz ohne Aufgabe. Gewiss hätte sie noch problemlos einige Jahre auf den Virgin Islands leben können, ohne sich auch nur die geringsten Sorgen zu machen. Doch sie beschloss sich einen Kindheitstraum zu erfüllen und reiste mit ihrem Gesparten wieder zurück nach England.

Mittlerweile bin ich wieder ganz trocken, nippe an meinem Earl Grey und wärme meine Hände an der heißen Teetasse. Janettes Traum war es immer gewesen Pferde zu dressieren. Rennpferde. Die besten der Welt. Wenn sie mir davon erzählt, funkeln ihre kleinen Augen hinter den dicken Brillengläsern. Sie wirkt auf einmal jünger. “But these bloody bastards would not let me.”, schimpft sie und blickt dabei in die Luft, als ob sie dort den Moment in einer unsichtbaren Zeitkapsel abgespeichert hätte. Sie war damals wütend und ist es auch heute noch. In England war es vor 50 Jahren nicht üblich dass Frauen eigenen Besitz hatten. Es war für Janette nahezu unmöglich Pferde zu besitzen, geschweige denn eine ganze Farm. Und selbst ihr gespartes Geld half ihr da wenig. Sie brauchte einen Mann.

Janette war weiß gott nicht wählerisch und als sie schließlich “brauchbares Material”, das waren ihre Worte, gefunden hatte, schloss sie einen Deal: Sie würde ihn heiraten, wenn er ihr eine Farm mit Pferden kaufte. Mit ihrem Geld versteht sich. So ein Angebot kann man schwer abschlagen und Janette hatte bald darauf was sie wollte. Das eine solche Ehe nicht lange hält, das versteht sich von selbst. Nur ihr damaliger Mann verstand das nicht, als die Pferdeflüsterin eines Tages samt ihren Tieren abhaute. Sie wollte nach Deutschland, ein Land das ihr bis heute sehr wohlgesonnen ist. Dort war sie mit ihren Pferde das erste Mal so richtig erfolgreich. Sie gewann ihre ersten Turniere und machte sich bald einen Namen im Pferderennsport. Danach ging es weiter nach Italien, wo sie sich ein Anwesen in der Toskana kaufte.

Es wird plötzlich still. Janette blickt auf die Wand neben der Küchenzeile, wo ein schwarz-weiß Foto hängt. Darauf ist ein Rennpferd zu sehen, es steht da ganz stolz wie das Pferd von Attila der Hunnenkönig. Dann sieht sie mich wieder an, ist in Gedanken jedoch ganz weit weg: „It was a wonderful time. I was very successful and my horses were running well. This one in particular.“ Janette strahlt über beide Ohren hinweg, wenn sie über die Zeit in der Toskana erzählt. Doch sie hatte auch viele Neider. Und eines Tages, kam dann die italienische Mafia und drohte ihr. Das kann man sich vorstellen wie in einem Film: Der Mafioso kommt in den Stall und zückt eine Pistole. Er richtet diese nicht etwa auf Janette, sondern auf ihr Lieblingspferd. Wenn sie nicht sofort mit ihren Pferden wieder nach England abhaut, wird das Pferd beim nächsten Besuch nicht mehr auf vier Beinen stehen. Wie viel von dieser Geschichte stimmt, weiß ich nicht. Doch Janette scherte sich einen Deck darüber. Sie machte immer was sie will und ließ sich von niemanden sagen, was sie zu tun hatte. Kurze Zeit später starb ihr Pferd. Aber nicht etwa wegen der Mafia, sondern wegen eines Tumors. Sie zog wieder nach England, heiratete und hatte zwei Kinder.

Ein schönes Happy End für einen Hollywood Film, denke ich mir und auch ein Ende mit dem ich jetzt gut einschlafen kann. Doch Jannettes Geschichte ist noch nicht fertig erzählt. Ihr neuer Ehemann war, wie sich bald herausstellt, ein Trinker und ein ziemliches Arschloch. Er schlug Frau und Kinder auf die brutalste Art und Weise. Sie ließ sich das zum Glück nicht gefallen und ging zur Polizei. Als sie dem Polizist, ein Bekannter der Familie, alles erzählte, glaubte er ihr kein Wort. „Your husband is a good man. He would never do such a thing.“ Auch die Nachbarn wollten ihr nicht recht glauben und die Handgreiflichkeiten wurden immer schlimmer.

„One evening my husband and I were riding our horses back home. On the last mile we would always race. Later when we were unsaddling the horses my neighbour came by and asked who had won the race. I told here ‚Of course I one the race, I am much faster than me husband.‘ Of course he was fed up but I did not see what was coming. In the barn, he took the horse saddle and threw it across my face. I fell to the floor and could hear him laughing. I was so angry. I couldn’t take it any longer and that’s when I snapped. I grabed the pitchfork and went after him. He tried to run, but I had him cornered. And then… I stabbed him!“

Ich bin wieder hellwach, lasse meine Teetasse auf den Tisch sausen und blicke sie entsetzt an.

„Yes. I went after him and a stabbed him. I think I would do it again.“ Mit einer Selbstverständlichkeit und einer fast beängstigenden Gleichgültigkeit erzählt mir meine Gastgeberin, dass sie ihren Ehemann, also Ex-Ehemann umgebracht, also mit einer Mistgabel abgestochen hat. Sie war dreieinhalb Jahre im Gefängnis, wurde dann aber doch freigelassen, da sie von Anfang an auf Notwehr plädierte. Mir wird ganz komisch. Ich kann mir das alles gar nicht vorstellen und möchte Janette noch so viel fragen. Wie fühlt sich das an, wenn man…Gleichzeitig bin ich einfach schon zu müde. Ich schlage vor unser Gespräch morgen fortzuführen, bedanke mich noch einmal dass ich hier übernachten kann und marschiere die Treppen hinauf

Kapitel 4

 

It started just like a normal night out. Except that we were in China. We, that is my Slovakian friend Matej and myself. And China that is Beijing to be precise. We had just successfully completed the Mongol Rally (literally one of the most stupid races on Earth) and were absolutely fucked up after driving 10,000 km, living on beans and vodka only. Nevertheless we ended up at a hostel with an indoor bar. And it was happy hour when we got there so we had no excuse not to drink.

The night continued and I found myself on a rooftop in one of the fanciest clubs of Beijing. Needless to say we were totally underdressed. But a friend of Matej’s had hooked us up with VIP tickets, which meant free access and free drinks. So we got drinks from the bar and walked up to the terrace. Then we got drinks from the bar and walked up to the terrace. We did that several times until a security guy blocked the door to the terrace. He said it was closed now. We argued that it was our last night here (which of course was not true) and tried to convince him to just let us take a quick picture out there. No chance.

Matej got pretty angry. He looked at the security guy, looked into his glass of vodka cranberry and then back at the security guy. It all happened within seconds. A handful of Chinese men appeared out of nowhere. Together with their vodka-cranberry-covered friend they jumped up and down and babbled something we did not understand. We ignored it and went back to the bar. Meanwhile I noticed how the Chinese men would follow Matej’s every move. I have to admit it was quite funny to watch. Matej would walk a couple of meters and like little ducklings they would follow him until he stopped. Somehow they would not kick us out of the club but rather watch our backs like personal bodyguards.

It must have been around 3 am when we decided to leave the club and told the taxi driver where to take us. We had nothing but a small paper with our address written down in Chinese letters. The driver took us – I don’t know where, but it was not the area where we lived in. It was late, we were tired and drunk. Explaining and complaining would not have helped. We decided to pay the driver and get a new taxi. The driver looked at me „This is no good money“. I assured him that we got the money from a Chinese Bank and that it was in fact good money. He did not take it. So we drove to the next ATM, withdrew some more Yuan and paid him. Again he said „This is no good money. You are bad people!“ We did not know what to do. I mean we really tried what we could and still he did not accept our money.

We had had enough. Matej and I looked at each other and we had the exact the same thing in mind. 1…2…3 we jumped out of the car and ran down the street. The road was narrow and there were tall buildings on both sides. We kept running. I turned around to see that the taxi driver had left the car and was following us. He was walking surprisingly slowly. Soon we would find out why: The street was a dead end!

I felt like I was part of an action movie. We were facing a three meter high, corrugated iron wall – impossible to climb. Matej started kicking the bottom part of the wall. We pushed it and somehow managed to crawl through. We kept running and not being able to see anything we fell right into a construction pit. There was dust everywhere. I could feel the adrenalin, or the alcohol or whatever it was that made me really alert. We wondered if we would be safe down there. So we waited for about 15 minutes. Then we heard something. People. Then dogs. Then we saw the glowing flashlights on the buildings surrounding us. That freaking taxi driver had called the cops!

We felt paralyzed and couldn’t move. „Don’t worry. They won’t find us.“, Matej said. He assured me that we were pretty much in the blind spot and nobody could see us from up there. Just then I had a flashlight blinding me in the face. „CHINGCHANGPINGPANGPUNG!“ They were shouting like mad men. I whispered to Matej: „Let’s just act really drunk and completely helpless.“ So Matej got up and, trying to walk stumbled over my leg. Then I tried to lift him and fell back to the ground. This continued for a while and even though we must have looked like total retards, we were having great fun. Then we started waving at them shouting for help. It was hilarious. And there was no way they would be able to carry us out there. The pit was at least 2 meters deep and quite steep also.

The police men talked to each other in confusion. Then they left. We don’t know if they were going to get a ladder, a crane or a helicopter. But they were gone. We decided to seize the moment and silently sneak to the other side of the pit, where it looked like we were able to climb out. From there we had to kick open another corrugated iron wall, climb on some dumpsters and over a wall which had pieces of broken glass on top. A few scratches later we were back on the streets of Beijing. „Imagine their faces when they come back and find the empty pit“ Matej laughed.

We felt happy and lucky. We decided not to take a taxi home but found a lady on a rickshaw instead. For a couple of Euros she was willing to paddle us all the way home. It was a long but comfortable ride and in the end the lady actually knew the way. When we got home we decided to sleep in next morning, since our plan was to take our sleeping bags to the Great Wall of China. But that’s a different story.

I haven’t been on vacation all summer, so I decided to book a flight and get lost somewhere in the wild. My destination was Norway and that’s about all I knew. No idea where to go, no maps or whatsoever and yet it would turn out to be one of my best adventures so far.

My plane arrived around midnight. Before I could head north of Norway and into nature however, I had to spend one night in Oslo. Hotels are rather expensive in Norway so I decided to pull an all-nighter and experience the nightlife. I put my backpack in a locker and headed out to find some bars. As I was wandering around, two guys roughly my age approached me, offering to show me a cool place in town. Naive as I am I followed them. After about ten minutes and no bar in sight I wanted to go back to where we came from. Just then one of the guys dragged me into a narrow street pushing me against the wall. „Gimme all you money“, the other one said pulling out a knife. I freed myself and started running like hell.

I found myself a nice pub. Shocked and realizing how lucky I was that nothing had happend I needed a beer. I met this really cute girl and we started talking. Her smile and deep-brown eyes blew me away. After some hours that flew by like minutes she had to leave. She knew she was never going to see me here again, so she gave me her phone number Facebook lipstick. Her lipstick?!? What the hell should I do with a lipstick? – „Keep it as a memory“, she said. Back then I did not know how useful this lipstick would turn out to be. We goodbyed and with a lipstick in my pocket I went back to the trainstation.

Reaching Trondheim, a beautiful little city up north, I could finally enjoy nature. I decided to put up my tent in the woods somewhere on a mountain called Bymarka. It was getting dark so I started looking for my flashlight in my bag. It wasn’t there. I checked my pockets. Nothing. My plan was to go back to town but without a flashlight I would never find my way back. Suddenly I got this really crazy Idea. I took out the lipstick that this wonderful girl gave to me and started marking trees. From my tent all the way down to the city I would put lipstick on every other tree.

I found the most awesome hipster bar in town called BrukBar. After a couple of beers and some interesting conversations I headed back to my tent. It had started to rain and I really hoped that the lipstick was waterproof! Entering the forest with no other light but my mobile phone I started looking for pink trees. It was a disaster! Everything looked the same in the darkness and I was yet to find a pink mark on a tree. And there it was: a tree wearing lipstick! I can’t tell you how happy I was at that moment. It took me another half an hour to get to my tent but I finally made it. Thanks to the lipstick.

Have you ever wondered what it would be like to take a journey all on your own without planning a single thing? Well, let me take you back to Norway!
It was my second day in Trondheim, a city I decided to put up my tent, just one night after getting mugged in the streets of Oslo. I was particularly excited to finally hike up a mountain and explore Norway’s wild nature. It was Sunday and since I had not planned any route and no possibility of buying a map, I just decided to go up.

“An old man had once told me about a secret place behind that mountain over there”, André told me pointing into the distance. André was a local, roughly my age, who I had just met on the top of the mountain. “Let’s find that place!”, I cried out in excitement, knowing this was going to be something special. We grabbed our backpacks and off we went.

Two hours later. “There’s no way we’re going down there!”, I thought to myself. We had reached the mountain and were facing a steep cliff. André somehow convinced me that it would’t be that bad, so we slowly climbed down. Always looking for – well we did not know exactly what it was – a secret place. We had almost gotten to the bottom and I still couldn’t see anything. Stairs! There were stairs in the rock. We followed them to a small path and there it was: a fairytale-like little house built right into the mountain. It was so well hidden that you couldn’t see it from the mountain. Even now that we were down, it was still hard to spot.

We checked the door. It was open. We wandered inside and to our surprise everything was in best order. An old wooden table niceley decorated with red cloth and candles took up half of the room. In a corner there was a small stove and a pile of chopped wood waiting to be lit. Candles on the table, candles on the cupboards, candles everywhere! (This would have been the perfect place for a romantic date with a girl)

The hiking had made us tired and I was starting to get really hungry. We started to cook and as the smoke was coming out of the wonderfully-self-made chimney, a hunter came by. Surprised that we even knew about this place he explained us where we were:

„More than 60 years ago, during the German occupation of Norway one brave man decided to hide in the mountains all alone, to warn his fellow landsmen when the German ships would arrive. He built this small house in a way that no one could see him. Not from top of the mountain nor from the coast. Up to ten years ago no one even knew about this place and just recently a path was built.“

What path? – I thought to myself looking up the steep mountain. Apparently it had been even more difficult to reach this place some years ago. I figured the hunter knew a lot about this place and seemed to know nature quite well. So I asked him what kind of plants, mushrooms and berries I could eat here in Norway. I took some notes feeling a bit smarter. Nevertheless I was not planning on living solemnly on what nature provides me.

On my way back I gathered some mushrooms and cooked my very first non-instant soup since I got here.

„Kongsvoll“ the guy in the outdoor equipment shop suggested. I was looking for a place of adventures to spend my last four days in Norway. Kongsvoll would give just that. It’s an area of pure wilderness reaching from a deserted train station in the valley all the way up to Snøhetta, one of Norway’s highest mountains. In the midst of this rough nature you may find the infamous muskox. An arctic beast and survivor of the last ice age. Only recently reintroduced in Norway their total population is estimated to around 300 muskoxen. They were also said to be quite dangerous. Exactly what I was looking for.

When I bought my train ticket to Kongsvoll I asked the lady at the train station about this place and whether there was a supermarket (since I had once again run out of food). The lady laughed out aloud „Kongsvoll!?, There’s nothing but a train station. If you want to buy food you gotta do it now, but the train is leaving in 10 minutes!“ Challenge accepted. I ran to the supermarket across the street and grabbed as much as I could. Not knowing what I was getting I would later be surprised what a great choice I had made. Especially with the moose salami!

Next stop: Kongsvoll! I hopped out of the train and realized why the lady at the train station had been laughing. There was literally NOTHING! I had never seen such a lonesome trainstation in my life. No cars, no houses, no people. Luckily I met two hikers after a while and asked them for directions. Before I took off they warned me not to get too close to the muskoxen: „Avoid the lonesome bulls, they get aggressive easily. Keep at least a 200m safety distance! Any closer and you should start running or climb something. Either way, you’d still be screwed since the muskox can run up to 50km/h“, they assured me.

I accompanied the hikers for the two hours, then decided to continue on my own. Not because of their fast pace (Norwegian people run like hell), but I wanted some time alone. To reflect. To enjoy nature. And to write. I sat down on a rock, had some of the Norwegian candy and relaxed into the scenery. It was sunny and although it was freezing cold I could feel the sun warming my face. It was simply beautiful!

I don’t know how much time I spent on that rock, but I had a whole lot of energy when I continued my walk. I faced my first hill and started climbing quite fast. When I reached the top I couldn’t believe my eyes: There was a muskox bull no more than 50 meters away, heading my way. I immediately dropped my bag and ran down the hill. Not a smart idea. The muskox went after me and decided to park his big muskox ass right next to my backpack. And he did not seem like leaving any time soon.

There I was stripped away from all my stuff, watching this buffalo, not knowing what to do. I checked my pockets. All I had was my knife, a lipstick and a small cellphone for emergencies. I figured I was not going to use my knife and I couldn’t think of any way the lipstick would save my life this time. So I took the phone and tried to call my dad. I did not have signal throughout most of my journey, so I was happily surprised when my father picked up the phone. He was in a meeting. „Is it urgent?“

My dad is not how you would imagine the typical business man. He grew up on a farm, knows a lot about nature and loves to spend his holidays in South Africa where he follows his biggest passion: bow hunting.
„You gotta get yourself a long stick, at least 2 meters long, to be able to protect yourself!“.
„Dad, I’m way above the tree line. There are no sticks around here!“
He told me to pick up some rocks instead. I did as I was told, always keeping an eye on the bull.
„What now?“
„Just wait until he leaves and hope that he does not attack!“

I waited. And waited. I could already picture myself spending the night without my tent and a big buffalo to cuddle and keep me warm. He left. Eventually. I really needed to cover some ground now. But just as I wanted to head on, it started to snow. Huge snowflakes. Beautiful but cold! Facedown I tried to follow the path for another hour. Putting up my tent, the cold blowing wind was working against me. And when I finally got into my sleeping bag I couldn’t sleep. Not because of the cold. Not because of the fact that I was in the middle of buffalo country. But there was also something else. A constant noise was coming from underneath my tent….

The sound was coming from underneath my tent. A constant squeaking. I checked my phone. No signal. Now I was even more freaked out. I tried to ignore it but it didn’t stop. It was too freezing cold and I was also too tired to go outside and check what it was. Since the noise did not stop I tried to stick something into my ears. Two teabags should do the trick. The squeaking was at a tolerable level now and eventually I passed out. It had been an exhausting and adventurous first day in Kongsvoll. Climbing about 2.000m with a 25kg backpack, losing that very same backpack due to an angry muskox bull and finally setting up my tent in the middle of a snowstorm.

I woke up. It was cold. Freezing cold. I knew I had to get up and cook myself a warm meal if I wanted to feel like a human. I opened my tent and couldn’t believe my eyes! Five muskoxen on close distance basically surrounding my tent. Zipper down – back into the tent. Since I was so hungry, I decided to have breakfast inside. Once more I started my camping cooker not caring if my whole tent was going to burn down. All I wanted was to say warm. My tent was not especially tall, and with my big backpack inside, it was a challenge not to knock over the camping cooker. Cooked Beans never tasted so good! While I was enjoying my breakfast I constantly checked for the muskoxen outside. They seemed peaceful though. Just a family having breakfast in the morning. Nothing dangerous about that. As I watched these ice age-creatures from close distance, I felt I was set back in time. They were moving so slowly like if there was no time. Timeless.

At noon the muskoxen had left and the sun made its way through the clouds. I went out of my tent to see where I was. At the same time I was really curious where that annoying noise came from last night. The scenery was overwhelming. Glacier lakes covered in gold. The sunlight was just the cherry on top to this place. Small hills and sharp rocks followed the riverbanks down the mountains. The area was only partly covered with snow, whereas the mountains were just shining down on me in the purest white. And there it was again. The same squeaking that kept me awake the night before. I lifted up my tent to get a close look and could not believe my eyes. LEMMINGS! I had put my tent on top of a lemming hole. No wonder these little bastards made such a noise! Brown little furr-balls not bigger than a hamster. Full of positive energy I continued my journey. It was already afternoon by the time and I really needed to cover some ground. Another four hours and I should reach the hut next to Snow Hyta. The hut was locked. I was told in advance that most huts would be shut down during winter. It was cold and there were not many other crazy people hiking here. In fact I was alone. But not for long.

Seemingly out of nowhere a group of men gathered at the hut. It was the last weekend of the reindeer hunting season and everyone wanted to take a final shot. I was told about a reindeer overpopulation which has led to simplified conditions of obtaining a hunters license. Basically anybody who hit the target five times got one. And you could try this as many times as you wish. Quite frankly there was a reindeer invasion! Sure enough the hunters had a key for the hut. And sure enough the next moment we were already sitting next to the fire place drinking some Norwegian liquor. I was surprised by their perfect English and warm welcoming. The next day I was woken up way early. „Do you want to come along?“ – „Nah“, I said rolling over and went back to sleep. You betcha! I was wide awake and super excited as we walked out the door and through the snow armed with big guns. What happened then cannot be described with words. It was a matter of death and life. On the mountains I could spot a grey moving something. Reindeers! The hunters had circled them and it was only a matter of time until they would shoot. I could feel the fear of the reindeers in my bones. The whole mountain trembled when the gun fired. (At least that’s what it felt like to me). It was an extraordinary, almost unreal atmosphere. I felt I had been taken into another time. A time where people still used to hunt for their food. A time before the big industrial revolution. People had to work together to succeed. It was tough. But it had a certain beauty to it. Not so much the act of hunting. But being a part of nature.

I was taken back to reality when the hunters used their walky talkies to communicate. The hunt was over. Silence. As we stamped through the snow to the other hunters I noticed black birds in the sky circling around the dead reindeer. I watched them slaughter it with care and putting the meat into some big bags. They explained me that they could only carry the most important parts. So they left the skull and the skin in the snow. „So you are not going to take it?“ – „No, we got tons of reindeer skins at home.“ „Can I have it?“ – „Sure. If you don’t mind spending a whole afternoon cutting down the flesh and cleaning the blood off the skin!“ Challenge accepted! He gave me his knife which was super sharp. Sure enough I cut myself in the finger. I could not tell apart the reindeers blood from my own. I took the skin to the river that come down right from the glacier. The freezing water made my fingers numb, so I did not feel any pain. It took me several hours to get most of the flesh from the skin. (At least that’s how long it felt). When I got back to the hut the hunters told me to put salt on the skin so it would dry. The only salt we had, was packed in those tiny bags you find at hotels or planes. I basically ended up using 238 packs. No, I did not count. Just a wild guess. Two rusty old nails on the floor would help me hang the skin on the hut’s outside wall.

I was tired. But I was happy. The next day it was time for me to leave. I goodbyed the friendly hunters (who’s Norwegian names I somehow forgot). The skin on the wall was still a bit wet so I had to carry it outside of my backpack. In far distance I watched the musk-oxen graze close to the river bank where I washed the reindeer skin the day before. Walking down this beautiful scenery of rocks and swamps covered in snow so white I was afraid my eyes would get blind, I as forced to make stops every once in a while. Just to enjoy being here. Being a part of nature. As I was dreaming, drifting, I bumped into a group of students. Biology students, Shocked female biology students. I can only imagine how I must have looked. I had not showered, shaved or washed myself in ten days! My shoes were wrapped in black duck tape trying to keep them together. From my backpack a reindeer skin was tangling back and forth. And if that was not scary enough I was also running around with a knife in my hand, as I was cutting salami on the way. Fuck first impressions!

We had lunch together and after that I was introduced to MINTTU (some mint alcoholic drink) which we had with hot chocolate. The war beverage made me feel so good I did not even bother about the fact that it started snowing again. My clothes were once again soaking wet when I got to the train station. Let me correct that sentence. There was nothing there but a small empty house next to the rails. No shops, no cars and no people. I checked for the train. The next one would not leave until the next morning. Meaning I would either have to set up my tent again or sleep at the small empty house (train station). It was perfect! A 15 square meters room with a bench, a table and most of all heating! I took off all my wet clothes and put them to dry. I was already used of being alone. But somehow this was different. I seemed to be alone in a public place trapped in nature. I could hear the sound of wild animals nearby. At least they kept me company. I cuddled myself into my sleeping bag and feel asleep.

I was woken up by a very loud announcement from the speakers in the room. This kept going the whole night. Every thirty minutes. Teabags in my ears. Still no sleep. I don’t know how much sleep I got but when I got on the train I was so tired that I instantly fell asleep. At the Oslo Airport I was woken up by a flight attendant. On the escalades. „Sir, you cannot sleep here! Are you alright?“. I somehow managed to get through the security check and was happy that nobody said anything about my reindeer skin (which I had put in 10 plastic bags just in case). I got myself a slice of super expensive pizza and had a nap at the gate. When I woke up I checked for my belongings. I had my ticket, my wallet, my pass.. „Where is my passport?“ I checked all my pockets. Nothing. I went back to the pizza shop. Nothing. At the security check. Nothing. The plane was going to leave in half an hour and I was getting nervous. I went to the police station. They told me there was nothing they could do, but they would call me if they found it. Devastated I went back to my gate and thought about where I could have put my passport. I even had a look in the trash cans I had passed by on the way. Nothing. I could already picture myself sleeping at the terminal.

„Mister Samuel Bredl! Please proceed to the duty free shop. We have found your passport!“ Son of a bitch! Lucky me. The boarding had already started when I got back to my gate. I hold on to the passport really tight as I got on the plane. I think I kept it in my hands until I got home later that day. It had been a wild adventure in Norway. And even though I was happy to be home, have hot water and real food, in my mind I was still in the mountains of Dovrefjell.

THE END